Rezension: „Vampire im Zitronenhain“ von Karen Russell (Kurzgeschichtensammlung)

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Originaltitel: Vampires in the Lemon Grove
dt. Titel: Vampire im Zitronenhain
Autorin: Karin Russell
Verlag: Vintage
Seiten: 243
Dt. Verlag: Kein & Aber

 

Karen Russels Kurzgeschichtensammlung Vampires in the Lemon Grove | Vampire im Zitronenhainn setzt sich aus den folgenden 8 Geschichten zusammen:

  1. Vampires in the Lemon Grove | Vampire im Zitronenhain – 3.5/5
  2. Reeling for the Empire | Spinnen für das Kaiserreich 5/5
  3. The Seagull Army Descends on Strong Beach | Die 1979er Landung des Seemöwenheers am Strong Beach – 3.5/5
  4. Proving Up | Nachweis – 3/5
  5. The Barn at the End of Our Term | Der Stall am Ende unserer Amtszeit – 4/5
  6. Dougbert Shackleton’s Rules for Antarctic Tailgaiting| Dougbert Shackletons Regeln für antarktische Fanveranstaltungen – 4/5
  7. The New Veterans | Die neuen Veteranen – 4.5/5
  8. The Graveless Doll of Eric Mutis | Die grablose Puppe des Eric Mutis – 3.5/5

 

Meine Lieblingsgeschichte darunter war mit Abstand Reeling for the Empire! Die Story alleine fand ich so toll, dass ich die Sammlung jedem empfehlen würde und sie sicher noch einige Male lesen werde.

Ich muss grundsätzlich auch sagen, dass ich keine der Geschichten wirklich schlecht fand. Auch nicht jene, denen ich nur 3 oder 3.5 Sterne gegeben habe. Sie waren einfach im Vergleich mit anderen Geschichten, die ich sehr gut fand (The New Veterans, Reeling for the Empire), in meinen Augen etwas schwächer. Aber wie das bei Kurzgeschichtensammlungen meist so ist, hat hier auch jeder andere Favoriten.

 

ZUM INHALT:

Vampire im Zitronenhain ist wohl am ehesten als Magischer Realismus einzuordnen, oder etwas, das nahe dran ist. Die Geschichten haben allesamt etwas „Übernatürliches“ an sich, das mal mehr und mal weniger ausgeprägt ist.
–> Die Titelgeschichte Vampire im Zitronenhain beschäftigt sich mit fantastischen Wesen (Vampiren, eh klar), Dougbert Shackletons Regeln für antarktische Fanveranstaltungen ist jedoch einfach nur wunderbar skurril und kann auf mehrere Weisen aufgefasst werden.

Eines haben die Geschichten jedoch gemein – jede von ihnen ist etwas ab der Norm. Vampire, die sich von Zitronen ernähren. Ehemalige US-Präsidenten, die sich plötzlich in einem Pferdekörper wiederfinden. Ein magisches Tattoo, das sich verändert. – Die Geschichten sind wunderbar skurril, sehr fantasievoll, sehr amüsant (The Barn at the End of Our Term) und oft auch wirklich rührend.

 

KRITIK:

Als ich gesehen habe, dass die Sammlung auf Goodreads „nur“ eine Bewertung von 3.66 hat, habe ich mal ein bisschen in den Kommentaren gelesen und nach Kritikpunkten gesucht, die viele Leser gebracht haben. Dabei ist mir ein Punkt besonders ins Auge gestochen, welcher mir jedoch beim Lesen kein einziges Mal negativ aufgefallen ist: Die Geschichten haben kein richtiges Ende.
Dieser Kritikpunkt ist, wenn ich im Nachhinein an die Geschichten denke, durchaus gerechtfertigt. Die meisten der Geschichten enden an einem Punkt, der kein eindeutiger Abschluss ist. Man begleitet die Figuren für eine Zeit und sieht, wie sie mit einer gewissen Situation umgehen, es gibt jedoch nicht immer eine erklärte Auflösung bzw. eine eindeutige Lösung des Problems.

Als Beispiel dazu die Geschichte The Barn at the End of Our Term, in welcher ehemalige amerikanische Präsidenten sich nach und nach in einem Stall wiederfinden und feststellen müssen, dass sie nun ein Pferd sind. Keiner der Präsidenten kann sich an seinen Tod einnern, auch wenn sich manche davon vorstellen, jetzt im Himmel oder der Hölle zu sein. Man sieht die Figuren miteinander interagieren, rätseln wie es dazu kam, wie sie aus der Situation entkommen können oder einfach eine neue Wahlkampagne in Pferdeköper führen könnten. Es passiert etwas gegen Ende, eine Auflösung gibt es aber nicht. Warum sie plötzlich alle Pferde sind, wird nicht erklärt. Ob sie am Ende im Himmel sind, wieder zu Menschen werden, etc. ist ebenfalls unklar.

Darum geht es in diesen Geschichten aber auch gar nicht. Die Ideen stehen hier im Vordergrund und wie sich die Figuren in ungewöhnlichen Situationen verhalten. Ich denke sogar, dass in einigen Fällen eine Auflösung die ganze Geschichte ruinieren oder zumindest etwas Verloren gehen würde. Allerdings bin ich auch jemand, der mit offenen Enden grundsätzlich keine großen Probleme hat. Ich mag es gerne, wenn nicht alles bis ins Detail erklärt wird und finde, dass mir Geschichten so oftmals viel länger in Erinnerung bleiben und mich zum Denken anregen. Zudem gibt es durchaus einen gewissen Abschluss zu jeder Story, man hat also nicht dass Gefühl, dass sie plötzlich mitten im Geschehen einfach enden. Jemand der sich an so etwas stört, könnte hiermit jedoch Probleme haben.

 

FAZIT:

Jeder, der fantasievolle Geschichten mag, die etwas ungewöhnlich und skurril sind und sich nicht an eher offenen Enden stört, sollte Vampire im Zitronenhain unbedingt eine Chance geben und mal zur Hand nehmen. Karen Russell ist meiner Meinung nach eine wirklich talentierte Autorin, von der ich in Zukunft unbedingt noch mehr lesen möchte.

 

Folge:

1 Kommentar

  1. 4. Dezember 2016 / 13:49

    Ich kannte das Buch bisher noch nicht aber es klingt wirklich interessant.
    Danke für die Vorstellung – mich persönlich stören offene Enden nicht unbedingt von daher darf es ruhig auf die Merkliste.
    Wünsche dir noch einen schönen zweiten Advent,
    Ela

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