True Crime: People Who Eat Darkness von Richard Lloyd Parry

People Who Eat Darkness

Originaltitel: People Who Eat Darkness
dt. Titel: –
Autor: Richard Lloyd Parry
Erstmals erschienen: Dezember 2012 
Verlag: Vintage

 

True Crime ist ein Genre, mit welchem ich mich bis zum letzten Jahr noch überhaupt nicht beschäftigt hatte. Im Mai 2015 haben sich jedoch ein paar Mädels aus einer Gruppe auf Goodreads zusammengefunden und People Who Eat Darkness: Murder, Grief and a Journey into Japan’s Shadows von Richard Lloyd Parry gelesen. Ich war eine davon. 

Da wir durchweg alle begeistert waren von dem Buch, hatten wir uns vorgenommen, von diesem Zeitpunkt an jeden Monat ein Buch aus dem Genre zu lesen und miteinander zu besprechen. So haben wir in den folgenden Monaten The Stranger Beside Me von Ann Rule, The Monster of Florence (dt. Die Bestie von Florenz) von Douglas Preston und The Devil and the White City (dt. Der Teufel von Chicago) von Erik Larson gelesen.

 
Eines kann ich gleich vorweg sagen: Keines der drei Bücher konnte mich wirklich begeistern. 
The Stranger Beside Me, in dem es um Ted Bundy geht, hatte einen ganz guten ersten Teil, der Schreibstil war jedoch furchtbar. The Monster of Florence war zunächst interessant, hat sich dann aber zu sehr in unnötigen, persönlichen Erlebnisse und Eindrücken des Autors verloren und The Devil in the White City verdient meiner Meinung nach nicht mal die Bezeichnung True Crime. Hier geht es in erster Linie um die Weltausstellung 1873. Die Verbrechen, die während dieser Zeit stattfanden, wurden anscheinend nur in das Buch gepackt, damit man es auch als True Crime anpreisen und dann an eine größere Zielgruppe verkaufen kann. 
 
Leider ging es mit den Bücher nicht nur mir so und daher ist es wahrscheinlich wenig verwunderlich, wenn ich sage, dass unser kleiner „True Crime Book Club“ sich danach aufgelöst hat. 


THE PEOPLE WHO EAT DARKNESS von Richard Lloyd Parry


Aber nun zurück zu den schönen Dingen, obwohl schön hierfür nicht gerade die richtige Bezeichnung ist. The People Who Eat Darkness ist jedoch ein wirklich gutes True Crime Buch. 
 
Hierin geht es um den Fall der 21jährigen, britischen Lucie Blackman, die im Sommer 2000 in Tokyo verschwunden ist und deren Überreste Monate später gefunden wurden. Was mit Lucie passierte, war jahrelang ein Rätsel.

Parry widmet sich nicht nur den kompletten Ermittlungen von Lucies Verschwinden, der Suche nach ihr und letztlich der Frage, was mit ihr geschehen ist, sondern versucht auch die kulturellen Unterschiede zwischen England und Japan aufzuzeigen, die auf allen Ebenen Einfluss auf den Fall hatten. Auch die zwischenmenschliche Komponente, die Auswirkungen, die das Geschehen auf Lucies Familie und Freunde hatte, werden in Parry’s Darstellung nicht vergessen. Er führte zahlreiche Gespräche mit Angehörigen, die in dem Buch wiedergegeben werden und dadurch einen besonders tiefen Einblick ermöglichen.

Ein Buch, das mit der Suche nach dem Killer, falschen Fährten und Twists durchweg spannend ist und sich stellenweise viel mehr wie ein Thriller als ein Sachbuch liest. Umso erschreckender und bedrückender ist es, wenn man sich immer wieder während dem Lesen in Erinnerung ruft, dass die Dinge darin wirklich geschehen sind. Es gab ein paar Stellen, an denen ich das Buch tatsächlich für kurze Zeit zur Seite legen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Nicht selten konnte ich das Verhalten und Handeln der japanischen Behörden, aber auch von Angehörigen nicht nachvollziehen oder war regelrecht verärgert und erschüttert. Zudem findet man in dem Buch zahlreiche Fotos der Beteiligten und der Orte des Geschehens. Ein Gesicht zu den Personen zu haben, über die man hier liest, macht die Sache natürlich nicht weniger hart verdaulich. 
People Who Eat Darkness ist sicher kein „leicht“ zu lesendes Buch, jedoch bin ich sehr froh, es gelesen zu haben.
 
Wer sich für True Crime interessiert und sich nicht davor scheut, auf Englisch zu lesen (denn leider gibt es keine deutsche Übersetzung davon), dem kann ich People Who Eat Darkness nur empfehlen. Auch für Thriller-Leser ein Tipp, wenn man mit der Ernsthaftigkeit, die dahinter steht, klarkommt.

Folge:

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