Halloween-Special #4: Buch vs. Film (Horror Edition)

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In meinem letzten Teil des Halloween-Specials sollen nun endlich auch die Horrorfilme einen Platz finden. Da viele der Klassiker auf einer Romanvorlage oder Kurzgeschichte basieren, dachte ich mir, es wäre interessant, diese einmal zu vergleichen und einen Gewinner zu küren – Buchvorlage oder Filmadaption.

Dafür habe ich mir 14 Bücher und ihre Verfilmungen rausgesucht. Ich werde ein paar Worte zu den Adaptionen sagen und anschließend Medaillen an die Form verleihen, die mich persönlich mehr überzeugen konnte.

Wer also noch Filmtipps für das Wochenende oder die Halloweennacht braucht, sollte unbedingt einen Blick auf meine „Gewinner“-Filme werfen oder aber zu einem der tollen Bücher greifen.

Okay, dann mal los mit der Medaillenvergabe!

 

 

1. SLEEPY HOLLOW

Sleepy Hollow Buch vs Film

Regie: Tim Burton    Erscheinungsjahr: 1999
IMDb | Amazon
Autor: Washington Irving    Erstveröffentlicht: 1820
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Bei Die Legende von Sleepy Hollow handelt es sich um eine schon recht alte Kurzgeschichte von Washington Irving. Der kopflose Reiter, der in dieser sein Unwesen treibt, ist jedoch im Original recht unspektakulär und hat mich eher gelangweilt als mich in Angst und Schrecken versetzt. Hier hat der düstere Film von Tim Burton viel mehr zu bieten und ist daher auch mein klarer Gewinner. Die Verfilmung basiert zwar nur recht lose auf der Vorlage, die Änderungen haben der Geschichte aber in jedem Fall gut getan. Wer es unheimlich mag, ist damit weitaus besser aufgehoben.

 

2. SHINING

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Regie: Stanley Kubrick    Erscheinungsjahr: 1980
IMDb | Amazon
Autor: Stephen King    Erstveröffentlicht: 1977
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Shining ist wohl eine der umstrittensten Verfilmungen überhaupt, nicht zuletzt, da Stephen King selbst kein großer Fan davon ist und sich mehr als einmal über das Schauspiel von Hauptdarsteller Jack Nicholson ausgelassen hat. Gerade dieser macht den Film aber irgendwie auch so interessant (und das Labyrinth gegen Ende des Filmes, welches im Buch gar nicht existiert). Buch und Film unterscheiden sich hier recht in ihren Motiven, überzeugen konnten mich jedoch beide, daher gibt es ein Unentschieden. Zudem handelt es sich mittlerweile bei beiden um absolute Klassiker, daher sollte man The Shining sowohl lesen als auch mindestens einmal gesehen haben. Dann kann man sich auch seine eigene Meinung zu dieser kontroversen Verfilmung bilden.

 

3. MISERY

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Regie: Rob Reiner    Erscheinungsjahr: 1990
IMDb | Amazon
Autor: Stephen King    Erstveröffentlicht: 1987
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Misery zählt für mich definitv zu einer der besten Verfilmungen von Stephen Kings Romanen. Anders als Shining hält sich Misery sehr nah an die Buchvorlage, kann jedoch aufgrund der verkürzten Zeit, die einem Film zu Verfügung steht, nicht immer so sehr ins Detail gehen, wie das Buch es macht. Dafür hat der Film ein ganz großes Plus, das sämtliche kleine Kritikpunkte wieder gutmacht: Kathy Bates. Sie spielt die Rolle als Annie, dem größten (und wahrscheinlich gefährlichsten) Fan des Schriftstellers Paul Sheldon, einfach nur großartig. Ich könnte mir absolut keine bessere Besetzung für die Rolle vorstellen. Sie alleine ist es schon wert, den Film unbedingt anzusehen. Da Misery (oder Sie in der deutschen Version) allerdings zu einem meiner absoluten Lieblinge unter Stephen Kings Bücher zählt, gibt es auch hier ein Unentschieden von mir. Beides sehr empfehlenswert!

 

4. I AM LEGEND

I Am Legens - Buch vs. Film

Regie: Francis Lawrence    Erscheinungsjahr: 2007
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Autor: Richard Matheson    Erstveröffentlicht: 1954
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Auch wenn die Grundgeschichte die gleiche ist, Buch und Film von I Am Legend unterschieden sich in sehr vielen Dingen. Einen wesentlichen Teil davon machen die „Monster“ aus, diese sind im Buch nämlich Vampire, im Film gibt es jedoch Kreaturen, die viel mehr Zombies ähneln und auch in ihrem Verhalten komplett unterschiedlich zu den Wesen im Buch sind. Auch rund um die Hauptfigur Robert Neville gibt es sehr viele Änderungen und grundsätzlich ist die Romanvorlage bedrückender und hoffnungsloser. Wer Action möchte, ist mit dem Film wohl besser aufgehoben, tiefgründiger und intressanter finde ich jedoch das Originalwerk von Richard Matheson. I Am Legend ist ein Buch, von dem ich nicht sehr viel erwartet hatte, das mich jedoch unglaublich überrascht hat und nun zu einem meiner Lieblinge der Horrorklassiker zählt – daher auch der klare Gewinner hier.

 

5. BRAM STOKERS DRACULA

Dracula - Buch vs. Film

Regie: Francis Ford Coppola    Erscheinungsjahr: 1992
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Autor: Bram Stoker    Erstveröffentlicht: 1897
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Weiter zu meinem wahrscheinlich am wenigsten geliebten Horrorklassiker: Dracula. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon nach ein paar Seiten das Buch wieder gelangweilt zur Seite gelegt habe, bis ich irgendwann (nach Jahren!) es endlich mal komplett gelesen habe – okay, gehört eigentlich, denn die Full Cast Version auf Audible ist wirklich nicht schlecht; die Geschichte jedoch noch immer recht unspannend. Graf Dracula selbst kommt die meiste Zeit über nicht mal darin vor. Die Verfilmung hat sich hier sehr viele Freiheiten herausgenommen und das war auch gut so. Coppolas Adaption von Bram Stokers Dracula hat nicht ohne Grund mittlerweile Kultstatus. Wer sehen möchte, wo die Wurzeln dieser so bekannten Figur des Grafen Dracula liegen, der möge das Buch lesen, allen anderen würde ich jedoch empfehlen, einfach direkt zum Film zu greifen. Haushoher Gewinner hier!

 

6. DER EXORZIST

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Regie: William Friedkin    Erscheinungsjahr: 1973
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Autor: William Peter Blatty    Erstveröffentlicht: 1971
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Als Horrorfilm hat Der Exorzist mittlerweile auch schon Kultstatus. Das Buch rund um die 11-jährige Regan, die von einem Dämon besessen ist, habe ich erst viel später gelesen. Ganz anders als etwa bei Dracula ist die Verfilmung hier sehr nahe am Buch dran. Das mag vor allem daran liegen, dass der Autor William Peter Blatty auch das Skript für den Film von William Friedkin geschrieben hat. Beide Formen sind super unheimlich und spielen natürlich ihre jeweiligen Stärken aus, im Ganzen überzeugen sie jedoch beide. Sowohl Film als auch Buch sind absolute Klassiker und sollte man (zumindest als Horrorfan) unbedingt gelesen und gesehen haben. Daher von mir auch ein Unentschieden.

 

7. CARRIE

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Regie: Brian De Palma    Erscheinungsjahr: 1976
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Autor: Stephen King    Erstveröffentlicht: 1820
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Carrie ist wahrscheinlich Stephen Kings bekanntestes Buch überhaupt und wurde auch bereits 3x verfilmt. Die erste Verfilmung von Brian De Palma (1976) ist meiner Meinung nach klar die beste davon, daher beziehe ich mich in meinem Vergleich darauf. Allerdings macht das wenig Unterschied, dann an Kings Werk kommt keine davon so wirklich heran. Die Figur der Carrie ist von King so fabelhaft porträtiert, dass der Roman fast nicht mehr zu toppen ist. Die Geschichte über das unglückliche, gemobbte Mädchen, das mit Hilfe ihrer telekinetischen Fähikeiten letztlich zum Alptraum des gesamten Dorfes wird, hat mir als Buch am meisten Spaß gemacht – auch hier ein klarer Gewinner.

 

8. DIE FRAU IN SCHWARZ

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Regie: James Watkins    Erscheinungsjahr: 2012
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Autor: Susan Hill    Erstveröffentlicht: 1983
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Die Frau in Schwarz ist eine düstere Geistergeschichte, die mir eigentlich in beiden Formen ganz gut gefällt. Susan Hills Schreibstil ist angenehm und ich fand toll, wie sie es geschafft hat, eine durchwegs bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Die Verfilmung von James Watkins spielt jedoch perfekt mit den Möglichkeiten des Films. Beleuchtung, Setdesign und Sound machen gerade bei einem Horrorfilm oft viel aus und werden hier gekonnt eingesetzt. Während es dem Buch zumeist etwas an Spannung und Grusel fehlt, bekommt man davon in der Verfilmung genau die richtige Portion serviert. Daher geht meine Medaille hier wieder an den Film.

 

9. HORNS

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Regie: Alexandre Aja    Erscheinungsjahr: 2013
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Autor: Joe Hill    Erstveröffentlicht: 2009
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Ein weiterer Film mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle ist die Adaption von Joe Hills Roman Horns. Das Buch war auf meiner Halloween-Leseliste für dieses Jahr und hat mich mittelmäßig überzeugt. Der Ansatz ist wirklich gut und interessant, es gab auch einige gelungene Szenen, aber im Großen und Ganzen war das Buch für mich nur Durchschnitt. Während sich die Verfilmung gegen Anfang sehr an die Buchvorlage hält, driftet sie nach und nach immer mehr ab und das leider in eine Richtung, die mir überhaupt nicht zugesagt hat. Ich würde also beides nur bedingt weiterempfehlen, mein Favorit ist jedoch das Buch.

 

10. INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR

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Regie: Neil Jordan    Erscheinungsjahr: 1994
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Autor: Anne Rice    Erstveröffentlicht: 1976
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Unter den Vampirfilmen und -büchern ist Interview mit einem Vampir ein absoluter Klassiker. Ich kannte den Film lange bevor ich zum Buch gegriffen habe und hätte nicht erwartet, dass ich so begeistert davon sein werde. Anne Rice ist meiner Meinung nach eine großartige Schriftstellerin und hat ein Talent dafür, interessante Charaktere zu erschaffen. Interview mit einem Vampir ist so tiefgründig und wunderbar geschrieben, dass es ein absolutes Lesevergnügen war. Der Film hält sich weitgehend relativ nah an die Vorlage, mit ein paar kleinen Änderungen hier und da, bis man dann zum Ende gelangt, das komplett anders ausfällt. Ich habe kurz überlegt, ob ich hier das Buch über den Film setze, mich dann aber am Ende doch für ein Unentschieden entschieden. Vielleicht auch ein bisschen aus Nostalgie. Und natürlich bin ich Team Lestat.

 

11. ROSEMARIES BABY

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Regie: Roman Polanski    Erscheinungsjahr: 1968
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Autor: Ira Levin    Erstveröffentlicht: 1967
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Ich persönlich finde Rosemary’s Baby nicht wirklich unheimlich, mag aber sehr, wie es sowohl Buch als auch Film schaffen, die konstant herrschende Anspannung auf den Leser/Zuschauer zu transportieren. Polanskis Film hat einen tollen Cast und hält sich auch weitgehend an die Buchvorlage von Ira Levin. Hier ist recht wahrscheinlich, dass wer das Buch mag, auch den Film mögen wird und umgekehrt. Daher ein klares Unentschieden.

 

12. DIE VÖGEL

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Regie: Alfred Hitchcock    Erscheinungsjahr: 1963
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Autor: Daphne du Maurier    Erstveröffentlicht: 1952
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Daphne du Maurier ist eine meiner Lieblingsautoren und Alfred Hitchcock einer meiner Lieblingsregisseure. Hier eine Entscheidung zu treffen, war für mich mehr oder weniger unmöglich. Du Mauriers große Stärke ist ihre Schreibkunst und die Gabe, in ihren Bücher stets eine wunderbar düster-beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Die Kurzgeschichte Die Vögel ist davon natürlich nicht ausgeschlossen. Buch und Film unterscheiden sich in einigen Dingen, die unheimlichen Vögel, die in Gruppen beginnen Menschen zu attackieren, sind jedoch in beiden der Mittelpunkt und wirklich schaurig. Beides schon oft gelesen und gesehen, sehr empfehlenswert und eindeutig ein Unentschieden.

 

13. DER NEBEL

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Regie: Frank Darabont    Erscheinungsjahr: 2007
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Autor: Stephen King    Erstveröffentlicht: 1980
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Um eine weitere Kurzgeschichte bzw. apokalyptisch angehauchte Novelle handelt es sich bei Stephen Kings Der Nebel. Hier gibt es eigentlich nicht viel zu überlegen. Der Film hält sich die meiste Zeit an seine Vorlage, ändert aber das Ende komplett und das so grandios (und schockierend), dass sogar King selbst gar nicht mehr aus dem Schwärmen gekommen ist. Die Novelle selbst ist natürlich auch lesenswert, alledings bin ich grundsätzlich eher kein so großer Fan von Kings Kurzgeschichten. Daher ist mein Sieger hier auch mit Abstand der Film.

 

14. CORALINE

Coraline - Buch vs Film

Regie: Henry Selick    Erscheinungsjahr: 2009
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Autor: Neil Gaiman    Erstveröffentlicht: 2002
The Book Depository (eng.) | Amazon (dt.)

Okay, Coraline ist nicht ganz zu 100% Horror, aber unheimlich Elemente gibt es hier durchaus auch. Wenn Coralines „andere“ Eltern mit den Knopfaugen nicht gruselig sind, dann weiß ich auch nicht. Grundsätzlich mag ich hier beides, das Buch von Neil Gaiman ist auf jeden Fall lesenswert. Coraline funktioniert jedoch so gut in der animierten Adaption, dass ich mich hier auf die Seite des Films lehnen muss. Die „andere“ Welt, in die Coraline gelangt, samt den ganzen schrägen Vorkommnissen und Kreaturen dort, macht einfach super viel Spaß anzusehen. Daher gewinnt für mich auch hier der Film.

 

FAZIT:

3x Buch
5x Film
6x Unentschieden

Ich denke, dass gerade Horror sehr gut als Film funktioniert, wenn man bedenkt, wie oft es einem schon wegen der unheimlichen Musik in Filmen gruselt. Daher hier auch die sichtliche Überlegenheit gegenüber dem Buch. Meine Bewertung würde glaube ich in keinem anderen Genre so gut für den Film ausfallen. Ich persönlich grusle mich bei Horrorfilmen auch weitaus mehr als bei Horrorbüchern. Da gibt es zwar auch ein paar Exemplare, die mich auf dieser Linie überzeugen konnten, es kommt jedoch weitaus seltener vor. Es freut mich allerdings, dass es so viele Unentschieden gibt, denn das heißt viele toll umgesetzte Adaptionen und großartige Vorlagen.

Was hält ihr von meinen Entscheidungen? Seid ihr gleicher Meinung oder meint ihr ich liege irgendwo total falsch?

 

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