Das Bildnis des Dorian Gray: Buch – Bühne – Leinwand

Dorian Gray
Gestern Abend habe ich mir im Akademietheater Wien eine Inszenierung von Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray angesehen. Ein Buch, das ich natürlich bereits gelesen habe und thematisch sehr interessant fand. Auch wenn ich es nicht unbedingt als meinen Lieblingsklassiker bezeichnen würde, war ich doch sehr gespannt auf das Stück, da ich schon unglaublich viel davon gehört hatte. Leider waren die wenigen Vorstellungen in den letzten Jahren hier in Wien immer sehr schnell ausverkauft. Jetzt ist das Stück jedoch in ein anderes Haus gewandert (es handelt sich jedoch um die selbe Inszenierung) und ich habe es endlich geschafft, an Karten zu kommen. 
Ich nehme an, die meisten werden mit dem Inhalt des Werkes vertraut sein, aber hier eine ganz kurze Zusammenfassung für alle, die die Geschichte nicht kennen:

 

„So staunenswert schön er ist, so unverdorben und naiv ist sein Blick auf die Welt. Verführt durch den geistreichen Zyniker Lord Wotton, stürzt Dorian sich haltlos ins lüsterne Londoner Nachtleben. Ausschweifung und Genuss wecken in ihm den innigen Wunsch nach unvergänglicher Jugend – und auf wundersame Weise altert fortan nicht mehr er selbst, sondern ein Porträt von ihm. Doch Dorians unbedachter Pakt mit dunklen Mächten hat grausame Folgen.“
Dorian Gray Oscar Wilde
Das Stück wird als One-Man-Show aufgeführt und dauert daher bloß 75 Minuten, die auch wirklich schnell vorbei gehen.
Die Inszenierung war sehr modern, das Bühnenbild bestand lediglich aus einem Gerüst und einigen Bildschirmen, auf denen die anderen Personen und Straßenaufnahmen etc. zu sehen waren. Es hat etwas gedauert, bis ich mich damit anfreunden konnte, die Idee finde ich jedoch gar nicht schlecht. 
Markus Meyer hat die Rolle des Dorian Gray wirklich gut und authentisch gespielt und alles in allem hat mir das Stück auch ganz gut gefallen und ich weiß zu schätzen, dass man versucht hat, ein so altes Werk auf eine originelle Art und Weise zu inszenieren. 
 
Ein paar Dinge waren jedoch dabei, die mich dann doch gestört haben und das ganze irgendwie unrund wirken haben lassen. 
Wie etwa, dass die anderen Figuren, die auf den Bildschirmen zu sehen sind (wobei es sich um Aufnahmen vom selben Schauspieler handelt, bloß in anderer „Verkleidung“), sich ebenfalls äußerlich nicht merklich verändern, obwohl sie eigentlich altern. Das ist vielleicht nur eine Kleinigkeit für den einen, aber irgendwie habe ich mich daran schon etwas gestört, da so auch nicht wirklich deutlich hervorgeht, dass bereits viele Jahre vergangen sind.
Eine weitere Sache, die ich recht unvorteilhaft fand, war die goldene Schminke, mit der das ganze Gesicht des Schauspielers bedeckt war. Dorian Gray soll hübsch und vor allem JUNG aussehen. Leider hat sich das Make-up sehr in jede kleine Falte abgelegt und diese daher umso sichtbarer gemacht. Dorian Gray sah also nicht aus, als wäre er gerade erst 20 geworden, sondern wesentlich älter. Dabei muss man anmerken, dass Markus Meyer auch tatsächlich bereits 44 Jahre alt ist.
Das sind natürlich alles Kleinigkeiten, aber so etwas summiert sich am Ende auch und hinterlässt dann doch den Eindruck, als wäre es nicht ganz so durchdacht und gelungen. 
Nach dem Stück musste ich wieder an die Verfilmung mit Ben Barnes und Colin Firth von 2009 denken, von der ich ebenfalls wenig begeistert war (Trailer). Während das Theaterstück doch sehr nah am Buch war, gab es im Film einige Änderungen, von denen ich alles andere als überzeugt war. Zudem fand ich die Figuren hier nicht ausgearbeitet genug.
 
Ist es wirklich so schwer, Das Bildnis des Dorian Gray werkgetreu umzusetzen? Oder bin ich bloß zu kritisch? 
 
Ich bin jedoch trotzdem sehr froh, das Stück endlich gesehen zu haben, denn es war trotz kleinen Schwächen dennoch eine gute Unterhaltung. Und ich weiß nun endlich, was sich hinter der Inszenierung verbirgt, von der alle reden und die alle sehen wollen. 
Ich finde Dorian Gray noch immer einen faszinierenden Charakter. Kein Wunder, dass die Figur so oft in anderen Kunstformen aufgegriffen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die TV Serie Penny Dreadful. An das Originalwerk von Oscar Wilde konnte für mich aber noch keine Interpretation heranreichen.
 
Habt ihr Das Bildnis des Dorian Gray gelesen oder eine der vielen Verfilmungen gesehen? Vielleicht sogar eine Bühneninszenierung? Fandet ihr die Darstellung des Dorian Gray gelungen?
 
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